Ein persönlicher Blog ist der Golfplatz von heute

Als junger Verkäufer habe ich schnell gemerkt, wie vergleichbar und austauschbar man in diesem Job doch ist. Ich bin eine nette, quasselnde Preisliste mit Krawatte. Autos zu verkaufen macht nur einen kleinen Teil des Berufs aus. Die eigentliche Aufgabe eines guten Verkäufers ist es, sich einen Namen in seinem Bereich zu machen. Denn Menschen kaufen von Menschen die sie kennen, mögen und denen sie vertrauen.

Das funktionierte lange Zeit hervorragend über Kaltaquise, Visitenkarten verteilen und Gesprächen auf Messen und Veranstaltungen. Die richtig guten Verkäufer verbringen ihren Feierabend in diversen Clubs, um sich als „der Kerl zu dem man geht, wenn man ein Auto braucht“ einen Namen zu machen. Ob es jetzt ein Fussball-, Tennis-, Lions-, oder der gute alte Golfclub ist, spielt dabei kein Rolle. Hauptsache man ist mit Leidenschaft dabei.

Den Fussball habe ich schnell an den Nagel gehängt. Wegen der brutalen Arbeitszeiten leidet darunter die Familienzeit. Und das ist es mir nicht Wert! Also habe ich nach einer anderen Möglichkeit gesucht, auf mich Aufmerksam zu machen.

Eigentlich wollte ich Informatik studieren. Das Leben und die schlechten Mathenoten waren anderer Meinung. Das Interesse an der Technik und die vielen verschwendeten Stunden vor dem PC sollten aber nicht umsonst gewesen sein. Daher habe ich mir überlegt, wie ich meinen Beruf als Verkäufer mit dem Nerd in mir verbinden kann. Einen Blog über das Thema zu starten, womit ich mich den ganzen Tag beschäftige fand ich nur logisch.

Nachdem ich monatelang Artikel geschrieben habe, kamen plötzlich die ersten Menschen und wollten von mir ein Auto kaufen. Ich habe diese Leute nie zuvor gesehen, sie kannten mich aber durch meinen persönlichen Blog. Da habe ich gespürt, wie sehr das Internet und die mobile Welt das Kaufverhalten verändert haben. Und wir müssen uns dringend darüber Gedanken machen, welche Möglichkeiten die digitale Revolution jedem einzelnen Verkäufer schenkt.

Privat lese ich Artikel auf meinem Smartphone, bestelle über Amazon, checke Facebook, Twitter und WhatsApp. Ein ganz normales Nutzerverhalten im Jahre 2016. Auf der Arbeit liegt das Smartphone nur auf der Seite und wir starren an die Eingangstür oder machen Kaltaquise als hätten wir 2006.

Ich möchte als Verkäufer Online zu finden sein, denn hier liegt auch die Aufmerksamkeit der Kunden. Und die Basis eines Onlineauftritts für Verkäufer ist ein persönlicher Blog. Um den Blog herum kreisen soziale Medien wie Facebook, Twitter, Snapchat, YouTube, Xing, LinkedIn und alles was noch kommen wird.

Damit bin ich nicht mehr vergleichbar. Und ich sorge dafür, dass mich die richtigen Menschen kennen. Vielleicht entsteht daraus Vertrauen und irgendwann ein Geschäft. Das ist kein Projekt für drei Monate, sondern ein Verkäuferleben lang. Dafür braucht man Leidenschaft und Geduld. So wie früher auf dem Golfplatz.

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